Tobias-Materna.de | Alle 16 Jahre im Sommer
145
portfolio_page-template-default,single,single-portfolio_page,postid-145,ajax_fade,page_not_loaded,,qode-theme-ver-9.2,wpb-js-composer js-comp-ver-4.11.2.1,vc_responsive,elementor-default
 

Alle 16 Jahre im Sommer

Theaterstück von

John von Düffel

Inszenierung

Tobias Materna

Ausstattung

Martina Stoian

Staatstheater Wiesbaden

Category
Staatstheater Wiesbaden
About This Project

1974, Fußball-WM in Deutschland – nein, falsch: natürlich in der BRD, wie es anti-revanchistisch in der WG heißt, wo gerade das obligatorische Plenum ansteht und die politische Bewusstseinsbildung zum Alltag gehört. Aber irgendetwas grätscht ständig zwischen die hehren Ideale der Kommune, sei es die Aussicht auf Karriere, Eifersucht und Besitzdenken oder die klammheimliche Sehnsucht nach Bürgerlichkeit. Die Feministin der WG kann nicht verstehen, dass ein Fußballspiel wichtiger sein soll als die Debatte über den Abwaschplan oder gar die Debatte über den Sinn von Debatten. Und tatsächlich gibt es auch im Leben ihrer WM-infizierten Mitbewohner noch anderes: Drogen zum Beispiel, die Liebe, die DKP, Razzien – und fast nebenbei eine Hausgeburt. 1974: „Deutschland“ wird Weltmeister.

1990, Fußball-WM in Italien. Die WG hat sich in Kleinfamilien und Singlehaushalte aufgespalten, ein paar der früheren „Genossen“ sind im Establishment angekommen. Die gewachsenen Beziehungen werden jedoch schnell brüchig, sobald alte Leidenschaften wieder aufflammen. Und die Kinder, einschließlich der „Hausgeburt“, sind noch nicht erwachsen genug, um keine Sorgen mehr zu bereiten. Auch das Land wandelt sich radikal, so kurz nach dem Mauerfall. Nur eins bleibt gleich: Deutschland wird Weltmeister.

2006, Fußball-WM im wiedervereinigten Heimatland. Draußen läuft das Sommermärchen, drinnen passen sich die verbliebenen Ex-WGler samt neuem oder altem Anhang unangenehme Wahrheiten oder längst fällige Trennungen zu. Die einen brechen auf, die anderen stellen sich desillusioniert selbst ins Aus. Und auch mit dem weltmeisterlichen Titel wird es dieses Mal nichts.

© Rowohlt Theaterverlag